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OPEC
Die OPEC-Geiselnahme fand am 21. Dezember 1975 am Dr. Karl Lueger-Ring 10 in Wien (Österreich) statt. Terroristen überfielen das OPEC-Hauptquartier und nahmen mehrere Erdölminister und deren Mitarbeiter gefangen. Anführer der sich selbst als Arm der arabischen Revolution bezeichnenden Gruppe war Ilich Ramirez Sanchez, der auch als Carlos, der Schakal bekannt war.
Am 21. Dezember 1975 fuhr das sechsköpfige Terrorkommando am späten Vormittag vom Hotel Hilton nahe dem Stadtpark, wo die Terroristen Zimmer gemietet hatten, mit der Straßenbahn über die Ringstraße. An der Haltestelle Schottentor verließen die Terroristen die Straßenbahn und gingen die wenigen Meter bis zur Opec-Zentrale am Wiener Karl-Lueger-Ring. Das Terrorkommando betrat um 11:45 Uhr die OPEC-Zentrale, ohne dass sich die Mitglieder zuvor hatten ausweisen müssen oder ihre randvoll mit Waffen und Sprengstoff bepackten Taschen kontrolliert worden wären. Dann begab sich das Kommando zum Konferenzsaal im ersten Stock des Gebäudes, wo elf Minister sowie hochrangige OPEC-Vertreter über eine eventuelle Erhöhung der Erdölpreise berieten.
Im Hausflur hielten sich rund 30 internationale Journalisten auf. Zwei Beamte der Polizei in Zivil bewachten die Gänge und den Konferenzsaal. Die Terroristen zogen ihre Schusswaffen. Einer der Polizeibeamten, der 65-jährige und kurz vor seiner Pensionierung stehende Anton Tichler, stellte sich Carlos entgegen. „Sind Sie Polizist?“ fragte ihn dessen deutsche Komplizin Gabriele Kröcher-Tiedemann, genannt Nada. Als der Polizist die Frage bejahte, schoss die Terroristin angeblich auf ihn und verletzte ihn dabei tödlich. Außerdem soll sie den irakischen OPEC-Angestellten Alaa Hassan Khafali getötet haben, der sich den Terroristen entgegenstellte.
Die Terroristen konnten etwa 62 Personen in ihre Gewalt bringen, darunter alle elf Minister der OPEC-Staaten sowie weitere Delegationsmitglieder und deren Mitarbeiter. Der libysche Delegierte Jusuf al-Azmarly, der einem der Täter die Schusswaffe entreißen wollte, wurde von Carlos niedergeschossen.
Nachdem wenige Minuten später die ersten Polizeikräfte eintrafen, schossen die Terroristen aus den straßenseitigen Fenstern. Drei Beamte versuchten, in das Gebäude einzudringen und stürmten die Treppe hinauf. Daraufhin eröffnete der deutsche Terrorist Hans-Joachim Klein das Feuer. Auch eine Handgranate wurde von den Terroristen geworfen. Der Sicherheitswachebeamte Kurt Leopolder von der Wiener Alarmabteilung wurde dabei von einem Projektil getroffen, konnte jedoch das Feuer erwidern. Klein erlitt dabei einen Bauchschuss.
Später überbrachte eine OPEC-Mitarbeiterin eine Botschaft der Terroristen. Darin wurde um eine "Feuerpause" ersucht, um die beiden Schwerverletzten, den Polizeibeamten sowie den Terroristen Klein, in ein Krankenhaus zu bringen. Klein wurde ins Wiener Allgemeine Krankenhaus (AKH) transportiert. Dort wurde festgestellt, dass ein Querschläger bei ihm schwere Verletzungen im Bauchraum verursacht hatte, wobei das Projektil in der Wirbelsäule steckte.
Der OPEC-Anschlag war der erste dieser Art in Österreich, zudem kam er völlig überraschend, denn eine Attacke auf ein Ziel mit arabischem Hintergrund hatte niemand erwartet. Einsatz- oder Krisenpläne waren nicht vorhanden, auch gab es nur wenige schusssichere Westen. Also musste improvisiert werden: Während der TV-Übertragung einer Sportveranstaltung im österreichischen Fernsehen wurde ein Insert eingeblendet, wonach sich in der Freizeit befindliche Polizisten bei der Bundespolizeidirektion Wien melden sollten.
Ein wesentliches Problem für die juristische Aufarbeitung des Falls ergab sich aus der mangelnden Spurensicherung am Wiener Tatort. Der österreichischen Polizei wurde von der OPEC lediglich ein Zeitraum von einer Stunde eingeräumt, um die Räumlichkeiten zu untersuchen.
Zwar existiert das Gebäude, in dem 1975 die OPEC-Konferenz stattfand, in seinen Grundzügen noch immer. Nach einer Asbest-Entsorgung hat sich jedoch das Aussehen sowohl außen wie innen komplett verändert. Nichts erinnert mehr an die Zeit der Geiselnahme. (wikipedia)
Arbeiterzeitung vom 23.12.1973
http://www.arbeiter-zeitung.at/cgi-bin/archiv/flash.pl?year=...

