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Schönborn der nächste Papst?


Weite Teile der Welt trauern um Papst Johannes Paul II., der am 2. April 2005, um 21.37 Uhr (MESZ), in seinem Privatbett im Vatikan seine Augen für immer schloss.

Wir waren bei ihm...

„Ich bin heiter, seid Ihr es auch!“ – dieser „heitere“ Aufruf, verpackt in seine letzten Worte, rührt uns natürlich ganz besonders. Ja, wir hatten ein besonderes Nahverhältnis zu diesem Papst, und wir haben es sehr begrüßt, als damals, unser Landsmann, der unvergessliche österreichische Kardinal Franz König ausgerechnet „den Karol Wojtyla aus Polen“ zum Papst kürte.

Unser Kandidat zählt schon heute, das hörte man in diesen Tagen immer wieder (z.B. auf n-tv), zum „erweiterten Favoritenkreis“: Es ist Kardinal Dr. Christoph Schönborn, der Erzbischof von Wien (A).

Christoph Schönborn wurde am 22. Jänner 1945 in Böhmen (also relativ nahe von Polen) geboren. Noch im selben Jahr musste seine Familie nach Österreich flüchten. Es gibt Schlimmeres...

Schönborn erfüllt die besten Voraussetzungen für das Amt des Papstes:

Er ist römisch-katholisch.
Ledig.
Studierte Theologie.
Hat die Priesterweihe hinter sich.
Kann lieb lächeln.
Liebt Kinder.
Reist gerne.
Ist mehrsprachig.
Und: Er wurde im Jahre 1970 von einem der besten Freunde des verstorbenen Papstes – von Kardinal König – in Wien (also recht nahe zu Rom) zum Priester geweiht.

Mehr noch:
Anfang der 1970er-Jahre lernte Christoph Schönborn, im Zuge seines Doktorats-Studiums, in Paris den heute vielleicht einflussreichsten Mann des gesamten Vatikans kennen: Kardinal Joseph Ratzinger aus Deutschland, der damals, in Paris, Schönborns Lehrer war! Ratzinger ist heute der Vorsitzende (!) des Kardinalskollegiums. Und die beiden sprachen schon damals, vor über 30 Jahren, über den Job des Papstes...

Im Jahre 1991 wurde Schönborn von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof der Erzdiözese Wien ernannt. Im Jahre 1995 zum Erzbischof von Wien. Seit 1998 ist Schönborn Kardinal. – So, wie Pater Ralph...

Da Christoph Schönborn allerdings noch keine 80 ist, kein hauptberuflicher Schauspieler, dafür aber nach wie vor am Leben, darf er jetzt, in Rom, den neuen Papst mitwählen. So wie 116 andere (der 183 Kardinäle) auch. Diese, doch recht aufsehenerregende, Wahl wird wohl auf ihn selbst fallen.

Doch, wen würde das wundern...?
... zumal Schönborn in den letzten Jahren auch immer wieder freundschaftliche Kontakte bis nach Afrika knüpfte. So besuchte er zum Beispiel im Jahre 2002 gleich mehrere Diözesen in Namibia. Ich meine: Wer, außer ihm, hat das sonst noch getan...?

Das bedeutet: Die afrikanischen Kardinäle werden wohl für ihn stimmen, bei der kommenden Papstwahl. Die wissen ja selbst, dass die Zeit offensichtlich noch nicht reif genug ist für einen schwarzen Papst im weißen Papamobile...

Bekanntlich ist Christoph Schönborn außerdem Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung „Pro Oriente“ (Stichwort: Ostkirche). Unsere Kollegen von Stephansdom.at erinnern uns daran, dass Schönborn im Jahre 1999 bzw. im Jahre 2000 sogar die Ehrendoktorwürde der Universitäten Prag bzw. Bukarest verliehen bekam. - Was die außerordentliche Beliebtheit des Österreichers im ehemaligen Osten, dessen Kardinäle ja jetzt auch mitwählen, unterstreicht.

Schönborns größter Konkurrent um das Amt des Papstes ist wohl ein italienischer Kardinal. Wegen Berlusconi allerdings, sind viele andere Würdenträger etwas skeptisch hinsichtlich eines Italieners als nächsten Papst. Man verweist darauf, dass man – abermals – einen Papst haben möchte, der sich mit den Mächtigen der (EU-)Welt eher anlegt, denn dient. Somit entfällt ein weiterer Pluspunkt auf Christoph Schönborn, dem es im Jahre 2004 sogar gelang, in Österreich den St. Pöltner Bischof Kurt Krenn (Stichwort: Priesterseminar) ruhig zu stellen.

Christoph Schönborn ist ein Mann der Versöhnung. Als in Österreich bekannt wurde, dass ein betagter Geistlicher einen Behinderten „betatscht“ haben soll, meinte Schönborn sinngemäß und im Radio: „So etwas kann ja passieren.“

Was mit Papst Christoph eher sicher nicht passieren wird, sind um 180 Grad gedrehte kirchliche Thesen zu Themen wie „Schwangerschaftsverhütung“, „Zölibat“, „Geschiedene“, „Schwule“ und „Frauen in der Kirche“.

Aber das will wohl eh keiner – derer, die jetzt den neuen Papst wählen...

Stimmt’s, Ratzinger!?

Quelle: http://www.heiteres.at/page.asp/5631.htm (Gerald Vukits)