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Walter Nettig
Häupl 's Freund kostet 10.000 Euro pro Monat. Wiens Bürgermeister Michael Häupl pflegt intensive Freundschaften auch über die Parteigrenzen hinaus.
So war er etwa mit dem verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil eng befreundet und trat bei dessen Hochzeit mit Margot Löffler als Trauzeuge auf. Legendär ist auch die Beziehung Häupls zum früheren Präsidenten der Wirtschaftskammer Wien, Walter Nettig.
Häupl pflegt diese Freundschaften aber nicht nur in engem persönlichen Kontakt, das Wiener Stadtoberhaupt lässt sich seine Freundschaften auch etwas kosten - zu Lasten der Stadtfinanzen. Als Nettig aus Altersgründen aus der Wirtschaftskammer Wien ausschied, hatte er das Problem aller abgetretenen Politiker und Topmanager. Mit dem Verlust des Amtes war nicht nur die gesellschaftliche Bedeutung deutlich verringert, sondern vor allem Dienstwagen samt Chauffeur und repräsentatives Büro weg. Häupl half - umfassend.
Der Wiener Bürgermeister schuf für Nettig den Job eines Außenwirtschaftsbeauftragten, auf dass dieser seine Kontakte für Wien nutzbringend verwerte. Nützlicher Nebeneffekt: Häupl kaufte so ÖVP-Wirtschaftskompetenz ein, womit sich zum Leidwesen der schwarzen Gemeinderäte Kritik an der Wirtschaftspolitik der Wiener SPÖ unter Häupl schwer argumentieren lässt. Damit Multimillionär Nettig auch sein gewohntes Ambiente genießen kann, ließ Häupl ein Büro anmieten.
Seit heuer residiert Nettig auf den obersten zwei Etagen, im 31. und 32. Stock, des von Stararchitekt Harry Seidler entworfenen Hochhauses "neue Donau" nahe der UNO-City. 213 Quadratmeter stehen Nettig dort als Arbeitsplatz zur Verfügung, dazu Loggia und Terrasse mit insgesamt 40 Quadratmetern, die einen atemberaubenden Blick über Wien bieten.
Atemberaubend ist aber auch der Preis, den Wiens Steuerzahler für den Arbeitsplatz des pensionierten Präsidenten der Wiener Wirtschaftskammer bezahlen dürfen. Seit 10. Dezember 2004 überweist die Stadt Wien monatlich alleine an Miete für Nettigs Büro exakt 7194,42 Euro. Die Begründung der zuständigen Magistratsabteilung 34, warum es ausgerechnet dieses teure Objekt sein musste: Andere angebotene Büros "sind für die angestrebte Funktion nicht geeignet, da im City-Bereich für internationale Geschäftspartner und Konzerne das moderne Wien nicht darstellbar ist".
Trotz der Größe des Büros muss sich Nettig dort nicht einsam fühlen. Denn zu seiner persönlichen Betreuung ließ der Bürgermeister am 1. April heurigen Jahres eine Akademikerin engagieren - per Sondervertrag und mit einer Anfangsgage von 2700 Euro monatlich.
Im Antrag an die Personalkommission ist übrigens explizit zu lesen, dass Aufgabe der Akademikerin (sie ist übrigens gebürtige Linzerin und im Mühlviertel aufgewachsen) die "personelle Betreuung von Herrn Senator Prof. Walter Nettig" ist. Die Akademikerin sei "in Absprache mit dem Herrn Bürgermeister und dem Herrn Magistratsdirektor" zu engagieren.
Übrigens: Nettigs Job als Wiener "Außenstadtrat", den er de facto seit Jahren pflegt, und sein neues Büro waren ursprünglich für einen anderen Häupl-Freund vorgesehen. Thomas Klestil hätte nach seinem Ausscheiden als Bundespräsident das nun formell geschaffene "Amt des Außenwirtschaftsbeauftragten" vom inzwischen 69-jährigen Nettig übernehmen sollen.
Zum Vergleich: Andere ausgeschiedene Kammerpräsidenten nutzen entweder die Infrastruktur in ihren eigenen Firmen oder bei Bedarf die Dienste der Büros ihrer Nachfolger. Altbundespräsident Rudolf Kirchschläger reichte seine Wiener Wohnung als Büro und die stundenweise Hilfe einer Sekretärin, die die Republik bezahlte.
May 2007
